Das Kompetenzzentrum für minimal-invasive Schilddrüsenchirurgie in Augsburg

Herzlich willkommen auf der Internetseite des Kopf-Halszentrums Augsburg. Als Fachärzte für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde mit großer Erfahrung in der Kopf- und Halschirurgie verfügen wir über besondere Expertise im Bereich minimal-invasiver Operationen an der Schilddrüse und den Nebenschilddrüsen. Unser chirurgisches Zentrum ist mit modernster Technik ausgestattet. Dies ermöglicht uns, so schonend wie möglich, d.h. mit geringster Beanspruchung von Haut und Weichteilen, zu operieren. Der Schnitt am Hals kann hiermit auf ein Minimum reduziert (in der Regel 3-3,5 cm) werden. Außerdem wird die Narbe in einer Hautfalte kosmetisch günstig versteckt. Oberste Zielsetzung ist eine rasche Genesung nach der Operation und eine Minimierung des Komplikationsrisikos. Unsere Patienten können aufgrund der schonenden Operationstechnik das Krankenhaus bereits nach 2 Tagen wohlauf verlassen.

Wurde Ihnen eine operative (Teil-)Entfernung der Schilddrüse empfohlen oder haben Sie allgemeine Fragen zu Ihrer Schilddrüsen(-funktion)? Kontaktieren Sie uns gerne! Wir beraten und begleiten Sie vom Erstgespräch bis hin zur Nachsorge.

Die häufigsten Sorgen und Fragen rund um das Thema Schilddrüsenchirurgie haben wir für Sie zusammengefasst.

Wo genau befindet sich die Schilddrüse?

Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) befindet sich unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre. Sie ist mit zwei großen Seitenlappen und einem Verbindungsstück (der Isthmus) in der Mitte schmetterlingsförmig aufgebaut. In enger Nachbarschaft zur Schilddrüse verlaufen wichtige Strukturen wie der Stimmbandnerv (Nervus recurrens), Abgänge der Halsschlagadern und die Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyreoideae). Die Schilddrüse einer Frau hat ein normales Volumen von bis zu 18 ml, beim Mann bis zu 25 ml.

Welche Funktion hat die Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist eine Hormondrüse. Die beiden wichtigsten Schilddrüsenhormone, das T3 (Trijodthyronin) und das T4 (Tetrajodthyronin oder Thyroxin), bestimmen entscheidend zahlreiche Körperfunktionen. Dazu gehören unter anderem:

  • den gesamten Energiestoffwechsel,
  • die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems
  • die Funktion des Magen-Darm-Traktes,
  • die Regulation der Körperwärme,
  • das seelische Wohlbefinden,
  • die Sexualität
  • die Schweiß- und Talgdrüsen der Haut
  • Wachstums- und Reifung sowie die geistige Entwicklung bei Ungeborenen und Kindern

Die Hormonproduktion und -freisetzung durch die Schilddrüse wird durch das Thyroidea-stimulierende Hormon (TSH) bestimmt. TSH wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet und freigesetzt.
Der größte Teil von T3 und T4 im Körper ist an Eiweiße gebunden. Nur ungebundene Schilddrüsenhormone entfalten ihre Wirkung auf den Organismus. Diese Hormonformen werden als freies T3 (fT3) bzw. freies T4 (fT4) bezeichnet. In Rahmen eine Blutuntersuchung können das TSH, fT3 und fT4 bestimmt werden und Auskunft über den Funktionszustand der Schilddrüse geben.

Wie äußeren sich Funktionsstörungen der Schilddrüse?

Schilddrüsenfunktionsstörungen werden unterteilt nach Unterfunktion (Hypothyreose) und Überfunktion (Hyperthyreose).
Die Schilddrüsenunterfunktion ist durch einen Mangel an Schilddrüsenhormon gekennzeichnet. Typische Beschwerden können u.a. Antriebsarmut, Gewichtszunahme, übermäßiges Kälteempfinden, Gedächtnisstörungen, Müdigkeit, verringerte Leistungsfähigkeit und Verstopfung sein. Wichtig ist anzumerken, dass gerade bei älteren Patienten nicht alle Symptome gleichzeitig vorhanden sein müssen. Leichte Formen der Schilddrüsenunterfunktion werden daher häufig übersehen. Die Unterfunktion wird durch eine Blutentnahme diagnostiziert: es liegt ein zu hoher Wert des Regelhormons TSH bei gleichzeitiger Erniedrigung eines oder beider Werte für die Schilddrüsenhormone freies T3 und freies T4 vor. Von einer beginnenden Unterfunktion (auch subklinische Hypothyreose genannt) ist die Rede, wenn nur der TSH-Wert erhöht ist, die Werte für freies T3 und freies T4 aber noch im Normalbereich liegen. Die häufigsten Ursachen für eine Unterfunktion sind die Hashimoto-Thyreoiditis, eine zu niedrige Dosis zugeführter Schilddrüsenhormone oder eine zu hohe Dosis von Medikamenten zur Behandlung einer Überfunktion.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion ist die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut erhöht. Die Störung geht mit Symptomen wie z.B. Nervosität, innere Unruhe, Zittern, vermehrtes Schwitzen, Schlaflosigkeit, Gewichtsabnahme, Hitzegefühl, Stimmungsschwankungen und vermehrtem Stuhlgang einher. Da vor allem Herz und Kreislauf von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen sind, können langfristig Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern auftreten. Durch die ständige Überlastung kann es zu einer Herzschwäche kommen. Die aufgeführten Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Darüber hinaus muss eine Schilddrüsenüberfunktion nicht zwangsläufig von allen o.g. Symptomen begleitet werden. Die Überfunktion wird diagnostiziert durch einen zu niedrigen Wert des Regelhormons TSH bei gleichzeitiger Erhöhung eines oder beider Werte der Schilddrüsenhormone freies T3 und freies T4. Eine beginnende Überfunktion (auch latente Hyperthyreose genannt) liegt vor, wenn nur der TSH-Wert erniedrigt ist, die Werte für freies T3 und freies T4 aber noch im Normalbereich liegen. Die häufigsten Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion sind Morbus Basedow, eine zu hohe Dosis einer Behandlung mit Schilddrüsenhormonen und die Schilddrüsenautonomie. Bei einer Schilddrüsenautonomie unterliegt die Produktion von Schilddrüsenhormon nicht mehr der normalen Regulation durch die Hirnanhangsdrüse als Steuerorgan der Hormonproduktion. Oft liegen einzelne Knoten der Schilddrüse vor, die diese Überproduktion verursachen (“heiße” oder “autonome” Knoten). Gelegentlich produziert aber auch die gesamte Schilddrüse zu viel Hormone.

Wie diagnostiziert man eine Funktionsstörung der Schilddrüse?

Der Funktionszustand der Schilddrüse kann ganz unkompliziert im Rahmen einer Blutuntersuchung erfasst werden. Dazu können drei Blutwerte gemessen werden: TSH, freies T3, freies T4. Anhand der Blutkonzentration der drei Hormone kann bestimmt werden, ob die Schilddrüse normal arbeitet oder ob eine Über- bzw. Unterfunktion des Organs vorliegt.

Was ist eine Hashimoto-Thyroiditis?

Die Hashimoto-Thyreoiditis trägt ihren Namen nach dem japanischen Arzt Nakaru Hashimoto, der die Erkrankung im Jahr 1912 erstmals beschrieben hat. Gelegentlich wird diese Form der Schilddrüsenentzündung auch als lymphozytäre oder einfach nur als chronische Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) bezeichnet. Die Hashimoto-Thyreoiditis gehört zu den so genannten Autoimmunerkrankungen. Bei diesen Erkrankungen sieht das Abwehrsystem Bestandteile des eigenen Organismus plötzlich als fremd an und bekämpft sie. Im Falle der Hashimoto-Thyroiditis richtet sich das Immunsystem gegen das Schilddrüsengewebe. Es bilden sich Eiweiße (Antikörper) im Blut, die zu einer entzündlichen Reaktion in der Schilddrüse führt. Dadurch werden die Schilddrüsenzellen zerstört. Als Folge kommt es zu einer vermehrten Freisetzung von Schilddrüsenhormon mit einer zeitweisen Überfunktion. Auf Dauer wird das Schilddrüsengewebe immer stärker zerstört, was letztlich häufig zu einer unumkehrbaren Unterfunktion der Schilddrüse führt. Die Behandlung zielt darauf ab, fehlende Schilddrüsenhormone mit künstlichen Schilddrüsenhormonen in Tablettenform zu ersetzen. Eine Therapie, die den Ausbruch oder den Verlauf der Schilddrüsenentzündung selbst aufhält, existiert bis heute leider nicht. Auch der genaue Grund warum die Hashimoto-Thyreoiditis auftritt, ist bis heute nicht bekannt. Die Letze Jahren wird häufig hoch dosiertes Selen als Antioxidans empfohlen, damit die Entzündung der Schilddrüse nachlässt. Studien belegen, dass dadurch hohe TPO-AK absinken können, positive Langzeitwirkungen sind aber nicht bewiesen.

Die Hashimoto-Thyreoiditis kann über lange Zeit mild verlaufen und von den Betroffenen unbemerkt bleiben. Hinweise auf die Erkrankung liefern Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse und die Blutkonzentration von Hashimoto-Thyreoiditis typischen Antikörpern, die Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK) und die thyreoidale Peroxidase-Antikörper (TPO-AK). Wenn die Erkrankung nicht frühzeitig erkannt wird, können die typischen Symptome der Schilddrüsenunterfunktion auftreten.

Sonogramm einer verkleinerten Schilddrüse mit Hashimoto-Thyreoiditis
Sonogramm einer verkleinerten Schilddrüse mit Hashimoto-Thyreoiditis
Was ist Morbus Basedow?

Morbus Basedow ist, so wie die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, welche das Schilddrüsengewebe angreift. Sie ist genannt nach dem Arzt Carl von Basedow, der die Schilddrüsenstörung und ihre wichtigsten Symptome 1840 erstmals beschrieben hat.
Im Falle der Basedowschen Krankheit werden Antikörper gebildet, die zu einer unkontrollierten Bildung von Schilddrüsenhormon führt. Die Folge ist eine Schilddrüsenüberfunktion, die meist schnell beginnt und mit starken Beschwerden einhergehen kann. In einigen Fällen können auch anderer Organe beteiligt sein, z.B. hervortretende Augäpfel (Exophthalmus, endokrine Orbitopathie). Die für die Erkrankung typischen Antikörper, die TSH-Rezeptorantikörper (TRAK), können im Verlauf der Behandlung auch wieder verschwinden.
Warum es zum Ausbruch eines Morbus Basedow kommt, ist nicht genau bekannt. Die Behandlung kann zunächst mit Tabletten erfolgen, die die Aktivität der Schilddrüse herabsetzen (Thyreostatika). Die Medikamente werden aber höchstens über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren verabreicht. Kommt es nicht zu einer nachhaltigen Besserung, sollte eine dauerhafte Ausschaltung der Schilddrüsenfunktion durch eine Operation oder durch eine Behandlung mit radioaktivem Jod (Radiojodtherapie) erfolgen.

Sonogramm einer stark durchblutete Schilddrüse mit Morbus Basedow
Sonogramm einer stark durchblutete Schilddrüse mit Morbus Basedow
Was bedeutet eine Struma?

Unter einer Struma (umgangssprachlich: Kropf) versteht man eine vergrößerte Schilddrüse. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet Struma-Grade von 0 bis 3, reichend von „kein Struma“ oder „nur tastbare, aber nicht sichtbare Struma“ über „sichtbare Struma bei zurückgelegtem Hals“ bis hin zu „großer sichtbarer Struma“. Desweiteren wird eine Struma diffusa (gleichmäßig vergrößerte Schilddrüse) von der Struma nodosa (vergrößerte Schilddrüse mit Knoten) unterschieden. Die Struma uninodosa weist einen einzelnen Knoten auf, die Struma multinodosa mehrere.

Die weltweit häufigste Ursache der Struma ist ein ernährungsbedingter Jodmangel. Auch Deutschland, insbesondere der Süden, zählt zu den sogenannten Jodmangelgebieten. Weniger häufige Ursachen sind u.a., gut- oder bösartige Raumforderungen der Schilddrüse, Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Morbus Basedow und Hashimoto-Thyroiditis, Entzündungen der Schilddrüse (Thyroiditis) und kropfverursachende Medikamente.

Die Beschwerden eines Struma-Patienten hängen vor allem von der Größe der Schilddrüse und von Ihrer Stoffwechsellage ab. Eine gering vergrößerte Schilddrüse verursacht meist keine lokalen Beschwerden. Mit zunehmender Größe der Schilddrüse beklagen Patienten oft ein Druck-, Enge- oder Kloßgefühl sowie Missempfindungen bei z.B. Tragen enger Kragen. Eine stark vergrößerte Struma kann benachbarte Strukturen (Luftröhre, Halsgefäße, Speiseröhre) verdrängen und zu entsprechenden Beschwerden führen, wie ausgeprägte Schluckbeschwerden oder Luftnot.

Das Diagnosemittel der Wahl ist, neben dem Abtasten des Halses, eine Ultraschalluntersuchung des Halses. Dabei kann die Ausdehnung der Schilddrüse in den drei Raumachsen gemessen und daraus das Volumen berechnet werden. Die Schilddrüse hat bei der Frau ein normales Volumen von bis zu 18 ml, beim Mann bis zu 25 ml.

Die Größe der Schilddrüse sagt nichts über Ihre Funktionalität aus. Umgekehrt sagen auch Laborwerte über das Vorhandensein einer Struma nichts aus. So unterscheidet man die euthyreote Struma (mit normalen Stoffwechselwerten) von der hypothyreoten Struma (bei eine Schilddrüsenunterfunktion) und hyperthyreoten Struma oder toxischen Struma (bei Überfunktion).

Sonogramm einer normalen Schilddrüse
Sonogramm einer normalen Schilddrüse
Was sind Schilddrüsenknoten?

Ein Schilddrüsenknoten ist eine abgegrenzte krankhafte Gewebeveränderung innerhalb der Schilddrüse. Manchmal gibt es nur einen Knoten (Struma uninodosa). Häufig sind jedoch gleich mehrere Knoten zu finden (Struma multinodosa).
Schilddrüsenknoten sind in Deutschland sehr häufig. So vermutet man, dass ca. 25% der Erwachsenen Schilddrüsenknoten oder Zysten in der Schilddrüse haben. Ursache ist im Wesentlichen ein Jodmangel. Kleine Schilddrüsenknoten machen meistens keine Beschwerden. Erst wenn sie größer werden, können sie zu einer sichtbaren Vergrößerung, einem Druckgefühl oder Schluckbeschwerden führen.
Da die meisten Schilddrüsenknoten die Schilddrüsenfunktion nicht beeinflussen, sind die Hormonwerte im Blut bei Schilddrüsenknoten in der Regel normal. Ein normaler Laborwert sagt über das Vorhandensein von Schilddrüsenknoten daher nichts aus. Am besten sind sie im Ultraschall erkennbar.
Zusätzlich wird das Szintigramm eingesetzt, das zwischen so genannten "heißen Knoten" und "kalten Knoten" unterscheiden kann.

Sonogramm der Schilddrüse. Rechts Normalbefund, links Knoten (KN)
Sonogramm der Schilddrüse. Rechts Normalbefund, links Knoten (KN)
Szintigraphie mit 99mTc: Szintigramm einer normalen Schilddrüse
Szintigraphie mit 99mTc: Szintigramm einer normalen Schilddrüse
Was sind heiße Knoten?

Heiße oder sogenannte autonome Knoten bestehen aus überaktivem Gewebe. Ihre Hormonproduktion unterliegt nicht mehr der normalen Regulation durch die Hirnanhangsdrüse. Das bedeutet, dass sie verstärkt Jod aufnehmen und unkontrolliert Schilddrüsenhormone bilden. Diese Überproduktion an Schilddrüsenhormonen löst also langfristig eine Schilddrüsenüberfunktion aus. Heiße Knoten sind nahezu immer gutartig. Sofern eine normale Stoffwechsellage vorhanden ist, muss eine Behandlung nicht zwangsmäßig erfolgen. Durch eine regelmäßige Überprüfung des TSH-Wert mittels einer Blutentnahme kann eine Überfunktion frühzeitig erkennt werden. Eine definitive Behandlung in Sinne einer Radiojodtherapie oder Schilddrüsenoperation, wird bei einer (beginnenden) Überfunktion angestrebt.

Szintigraphie mit 99mTc: "heiße" Knoten links unten zeigt szintigraphisch eine erhöhte Aktivitätsaufnahme im Sinne erhöhte Hormonproduktion.
Szintigraphie mit 99mTc: "heiße" Knoten links unten zeigt szintigraphisch eine erhöhte Aktivitätsaufnahme im Sinne erhöhte Hormonproduktion.
Was sind kalte Knoten?

Kalte Knoten dagegen sind inaktiv: sie nehmen kein Jod auf und produzieren keine Schilddrüsenhormone. Die überwiegende Mehrzahl an kalten Knoten sind ebenfalls gutartige Veränderungen, aber in etwa 2-3% verbirgt sich hinter einem kalten Knoten ein bösartiger Tumor. Um zu erkennen, ob ein kalter Knoten bösartig ist, sollten bestimmte Kriterien der Ultraschalluntersuchung und gegebenenfalls das Ergebnis einer Feinnadelpunktion zur Abklärung hinzugezogen werden. Bei Verdacht auf eine bösartige Erkrankung oder wenn eine bösartige Erkrankung nicht mit hinreichender Sicherheit auszuschließen ist, ist eine operative Entfernung indiziert. Nur eine Feingewebeuntersuchung des Resektats kann endgültig die Dignität (gut oder bösartig) des Knotens bestimmen.

Szintigraphie mit 99mTc: "Kalter" Knoten rechts zeigt szintigraphisch eine fehlende Aktivitätsaufnahme im Sinne fehlender Hormonproduktion.
Szintigraphie mit 99mTc: "Kalter" Knoten rechts zeigt szintigraphisch eine fehlende Aktivitätsaufnahme im Sinne fehlender Hormonproduktion.
Was ist eine Schilddrüsenzyste?

Eine Zyste ist ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum. Sie besitzt keinerlei Funktion und zählt daher zu den „kalten Knoten“. Größere Zysten werden in der Regel durch Punktion und Absaugen der Zystenflüssigkeit behandelt. Kommt es jedoch immer wieder zur erneuten Ausbildung oder gar zum Wachstum der Zysten (insbesondere bei Zysten über 2 cm Größe), sollte eine operative Entfernung in Erwägung gezogen werden.

Sonogramm der Schilddrüsen mit Zysten
Sonogramm der Schilddrüsen mit Zysten
Wie wird meine Schilddrüse untersucht?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Krankheit der Schilddrüse zu diagnostizieren: Zunächst gibt die Krankheitsgeschichte des Patienten ein Bild über die Beschwerden, Vorerkrankungen und familiäre Schilddrüsenkrankheiten.
Durch Abtasten gewinnt der Arzt einen ersten Eindruck von Größe und Ausdehnung der Schilddrüse. Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse ist das wichtigste bildgebende Diagnose-Verfahren. Dabei wird die Halsregion mit einem Schallkopf von außen untersucht. Die Untersuchung ist strahlenfrei und nicht mit Nebenwirkungen verbunden. Das Ultraschallbild lässt Rückschlüsse auf Größe, Lage, Gewebemuster und Durchblutung des Schilddrüsengewebes zu.
Gegenfalls können durch eine sonografisch gesteuerte Punktion winzige Gewebeteilchen der Schilddrüse entnommen und mikroskopisch untersucht werden (sogenannte Feinnadelpunktion). Auch die Größe von z.B. Knoten oder Zysten kann mittels Ultraschall exakt ausgemessen werden. Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse gibt jedoch keine Auskunft über die Schilddrüsenfunktion.
Der Funktionszustand der Schilddrüse kann ganz unkompliziert im Rahmen einer Blutuntersuchung erfasst werden. Zunächst wird der TSH-Wert bestimmt. Bei TSH-Werten außerhalb des Normbereiches oder für spezielle Fragestellungen kann die Menge der freien Schilddrüsenhormone im Blut bestimmt werden. Bei Verdacht auf eine Auto-immunthyroiditis, kann die Bestimmung von Antikörper wie TPO-Antikörpern und TG-Antikörper sowie TRAK-Antikörper im Blut zusätzlich Informationen bieten. Letztlich können bei einer bösartige Erkrankung der Schilddrüse, sogenannte Tumormarker bestimmt werden. Tumormarker sind körpereigene Moleküle, die beim Vorliegen von Tumoren vermehrt auftreten. Für die Schilddrüse eignen sich die Moleküle Thyreoglobulin (Tg), und Calcitonin als Tumormarker.
Ein weiteres Diagnosemittel um die Schilddrüsenfunktion genauer zu beurteilen, ist die Schilddrüsenszintigraphie. Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Methode, die misst, wie stark einzelne Bereiche der Schilddrüse Jod aufnehmen. Dies entspricht in der Regel der Aktivität des Gewebes, also dem Ausmaß, wie viel Schilddrüsenhormone es produziert. Areale in der Schilddrüse, in denen kein oder sehr wenig Jod aufgenommen wird, nennt man „kalt“. Areale mit überproportionaler Aufnahme von Jod werden als „warm“ bezeichnet, bei sehr starker Speicherung als „heiß“. Die Strahlenbelastung bei der Szintigraphie ist meist kleiner als bei einer herkömmlichen Röntgenuntersuchung.

Wenn eine Schilddrüsenoperation ansteht, oder nach einer Schilddrüsenoperation ist die Untersuchung der Stimmbänder zur Festzustellung Ihrer einwandfreien Funktion (Laryngoskopie) notwendig.

Ultraschalluntersuchung
Ultraschalluntersuchung
Sonogramm einer gesunden Schilddrüse
Sonogramm Schilddrüse
Szintigraphie mit 99mTc einer normalen Schilddrüse
Szintigraphie mit 99mTc einer normalen Schilddrüse
Szintigraphie mit 99mTc einer Schilddrüse mit heißen Knoten links unten
Szintigraphie mit 99mTc einer Schilddrüse mit heißen Knoten links unten
Szintigraphie mit 99mTc einer Schilddrüse mit kalten Knoten rechts
Szintigraphie mit 99mTc einer Schilddrüse mit kalten Knoten rechts
Laryngoskopie (Untersuchung der Stimmbänder)
Laryngoskopie (Untersuchung der Stimmbänder)
Wann sollte die Schilddrüse operiert werden?

Obwohl Vergrößerungen und Funktionsstörungen der Schilddrüse häufig zunächst mit Medikamenten behandelt werden können, ist nicht selten eine dauerhafte Entfernung des betroffenen Schilddrüsengewebes erwünscht oder notwendig. Die Schilddrüse sollte insbesondere operiert werden, wenn einer der folgenden Gründe vorliegt:

  • Vergrößerung der Schilddrüse, so dass andere Organe eingeengt werden (Schluck-oder Atembeschwerden, Druckgefühl im Hals)
  • Eine Vergrößerung der Schilddrüse, wenn die medikamentöse Therapie unzureichend ist oder eine Radiojodbehandlung nicht erwünscht oder sinnvoll ist
  • Eine Überfunktion der Schilddrüse, wenn die medikamentöse Therapie unzureichend ist oder eine Radiojodbehandlung nicht erwünscht oder sinnvoll ist
  • Eine Schilddrüsenzyste: insbesondere bei Zysten über 2 cm Größe, oder bei unzureichender Punktion
  • Bei (Verdacht auf) eine bösartige Erkrankung
  • Wenn eine bösartige Erkrankung nicht mit hinreichender Sicherheit auszuschließen ist (z.B. bei einem kalten Knoten)

Die Notwendigkeit einer Schilddrüsenoperation ist in manchen Fällen eindeutig, in anderen relativ. Die wichtigsten Vorteile einer Schilddrüsenoperation sind:

  • Die Operation ist die einzige Behandlung, bei der sich der gewünschte Effekt (z.B. Knotenentfernung, Größenreduktion, Beseitigung der Hormonproduktion) unmittelbar einstellt.
  • Bei der Schilddrüsenoperation können alle krankhaften Veränderungen (z.B. heiße und kalte Knoten) gleichzeitig behandelt werden.
  • Bei der Operation ist eine individuelle und befundorientierte Behandlung möglich: von der sparsamen Teilentfernung eines Lappens bis zur kompletten Entfernung der Schilddrüse.
  • Die mikroskopische Feingewebeuntersuchung des entnommenen Schilddrüsengewebes lässt Gut- und Bösartigkeit zweifelsfrei unterscheiden.
Wie viel Schilddrüsengewebe wird während einer Schilddrüsenoperation entnommen?

Wie viel Schilddrüsengewebe entfernt werden muss, hängt von der vorliegenden Erkrankung ab. Das Ausmaß der Operation kann somit von der teilweisen Entfernung eines Schilddrüsenlappens bis hin zur kompletten Resektion der gesamten Schilddrüse reichen.

Wie ist der Ablauf einer Schilddrüsenoperation in unserer Praxis?

Die Schilddrüsenoperation findet in der Klinik Vincentinum Augsburg, eines der größten Belegarzt-Krankenhäuser Deutschlands, statt. Patienten werden am Tag der Operation stationär aufgenommen. Wichtig dabei ist, dass der Patient nüchtern ist (nichts gegessen, nichts getrunken und auch nicht geraucht). Auf der Pflegestation erhält er bereits verschiedene Medikamente zur Narkosevorbereitung und Beruhigung (Prämedikation), sowie spezielle OP-Kleidung.
Die Schilddrüsenoperation wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 1 (einseitig) bzw. 2 1/2 Stunden (beidseitig).
Wir führen den Schnitt am Hals und die Schilddrüsenpräparation in minimal-invasiver Weise aus. Im Gegensatz zur klassischen Methode wird der Hautschnitt nicht oberhalb der Schlüsselbeine bzw. des Brustbeines gelegt, sondern - individuell an die Haut des Patienten angepasst - vor dem Kehlkopf in einer vorhandenen Hautfalte, damit die Narbe (2-4 cm) möglichst unsichtbar bleibt. Dadurch erreichen wir hervorragende kosmetische Ergebnisse.

Während der Operation wird das Organ auf beiden Seiten freigelegt und erkrankte Teile der Schilddrüse werden entfernt. Wie viel Schilddrüsengewebe genau entfernt wird, richtet sich nach dem konkreten, individuellen Befund. Das Ziel ist die vollständige Entfernung von erkranktem Gewebe unter Schonung des gesunden Schilddrüsengewebes. Mitunter kann es sinnvoll sein, die komplette Schilddrüse auf einer oder sogar beiden Seiten zu entfernen. Am Ende der Operation wird die Wunde durch eine Intrakutannaht verschlossen. Bei dieser speziellen Technik wird die Naht an der einen Seite der Wunde eingestochen, unsichtbar in der Haut geführt und am anderen Ende wieder ausgestochen. Nach der Operation werden sie im Aufwachraum überwacht.
Am Operationstag können Sie aufstehen, trinken und etwas essen. Gegen evtl. auftretende Schmerzen können Medikamente verabreicht werden. Aufgrund unserer schonenden Operationstechnik können die meisten Patienten bereits nach 2 Tagen das Krankenhaus wieder in guten Allgemeinzustand verlassen. Eine Arbeitsunfähigkeitbescheinigung wird individuell ausgestellt (in der Regel etwa 2 Wochen). Danach können fast alle gewohnten Aktivitäten wieder aufgenommen werden.

Etwa eine Woche nach der Operation erfolgt eine ambulante Kontrolluntersuchung zur Wundinspektion, zur erneuten Stimmbandkontrolle und zur Besprechung der feingeweblichen Befunde. Dann wird auch die genaue Nachbehandlung festgelegt. Bei gutartigen Erkrankungen werden in den meisten Fällen Schilddrüsenhormone in einer angepassten Dosierung verordnet. Nach etwa 6 Wochen werden die Schilddrüsenwerte kontrolliert und ggf. angepasst. Auch nach einer erfolgreichen Schilddrüsenoperation ist in der Regel eine lebenslange Kontrolle zu empfehlen. Bei bösartigen Erkrankungen wird ein individuelles Verfahren auf Basis der aktuellsten Tumorforschungen angewandt.

Schnittführung in minimal-invasiver Weise (vor dem Kehlkopf in einer vorhandenen Hautfalte, 2-4 cm) (oben) versus der konventioneller sogenannter Kocher'scher Kragenschnitt oberhalb des Brustbeines (7-10 cm) (unten)
Konventioneller sogenannter Kocher'scher Kragenschnitt oberhalb der Schlüsselbeine bzw. des Brustbeines (7-10 cm)
Narbe eine Woche nach minimal-invasiver Schilddrüsenoperation
Narbe eine Woche nach minimal-invasiver Schilddrüsenoperation
Narbe 3 Monate postoperativ
Narbe 3 Monate postoperativ
 
Was bedeutet minimal-invasiv?

Minimal invasiv bedeutet so schonend wie möglich fürs gesunde Gewebe (mit kleinster Verletzung von Haut und Weichteilen). Das Ziel der minimal invasiven Chirurgie ist eine rasche Genesung mit geringen Beschwerden nach der Operation und eine Minimierung des Komplikationsrisikos. Bei der minimal-invasiven Schilddrüsenoperation wird der Halsschnitt, als Zugangsweg für die operative Maßnahme, so klein wie möglich gehalten. Die eigentliche Operation im Körperinneren ist bei minimal-invasiver und herkömmlicher Chirurgie vergleichbar.

Narbe 3 Monate nach minimal-invasiver Schilddrüsenoperation
Narbe 3 Monate nach minimal-invasiver Schilddrüsenoperation
Über welchen modernen Techniken verfügt unseres chirurgisches Kopf-Halszentrum?

Unser Zentrum verfügt über die modernste Technik. Dies ermöglicht uns die Schilddrüsenoperation minimal-invasiv (mit kleinster Verletzung von Haut und Weichteilen) durchzuführen und Komplikationen so gering wie möglich zu halten. Ein zentrales Anliegen ist die größtmögliche Schonung verletzlicher Strukturen, das gilt besonders für die feinen Stimmbandnerven und die kleinen Nebenschilddrüsen. Um eine äußert präzise chirurgische Präparation und Blutstillung zu gewährleisten, führen wir die Operationen unter optischer Vergrößerung (Luppenmikroskopie) aus. So werden Strukturen optisch vergrößert und auf diese Weise besser erkannt und geschützt.

Eine zusätzliche Hilfe zur Schonung der Stimmbandnerven ermöglicht das intraoperative Neuromonitoring. Das Neuromonitoring-System leitet Muskelsignale von den Stimmbändern ab. Während des Eingriffs kann der Operateur über eine feine Sonde regelmäßig minimale Stromstöße abgeben. Einen Intakten Stimmbandnerv leitet den Impuls an die zuständige Kehlkopfmuskulatur weiter, es kommt zu einem akustischen und visuellen Antwort. Das Neuromonitorung-System hilft den Stimmbandnerv (N. recurrens) zu identifizieren und dessen Funktion zu prüfen. Die ständige Kontrolle der Stimmbandsignale hilft uns, die Stimmbandnerven vor Verletzungen zu schützen und das Risiko eines postoperativen Stimmbandstillstandes deutlich zu reduzieren. Insbesondere besteht die Möglichkeit, direkt nach der Resektion eine zuverlässige Aussage zur Funktion des Stimmbandnervs zu treffen. Hierbei ist oberstes Ziel, die beidseitige Recurrensparese zu vermeiden.

Neben dem Neuromonitoring-System stehen uns mehrere moderne Präparationsgeräte und Blutstillungsinstrumente zur Verfügung. Das harmonische Skalpell (UltraCision) ist ein chirurgisches Präparationsgerät, das seine Energie aus hochfrequentem Ultraschall bezieht. Es ermöglicht eine exakte Blutstillung, eine schonende Gewebedurchtrennung und eine ausgezeichnete Präparation anatomischer Schichten. Mit BiClamp-Instrumenten lassen sich Gefäße und Gewebebündel zuverlässig koagulieren. Der Einsatz moderner Präparations-und Versiegelungsgeräte versetzt uns in die Lage, den operativen Eingriff risikoärmer, zeitsparender und vor allem minimal-invasiver durchzuführen.

Lupenbrille
Lupenbrille
Neuromonitorung-System
Neuromonitorung-System
Harmonische Skalpell (UltraCision)
Harmonische Skalpell (UltraCision)
BiClamp-Instrument
BiClamp-Instrument
Werden die Kosten für eine Schilddrüsenoperation von den Krankenkassen übernommen?

Die Kosten für eine Schilddrüsenoperation in unserem Kopf-Halszentrum werden von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. 

Was sind die Risiken und Komplikationen einer Schilddrüsenoperation?

Jede Operation und Vollnarkose beinhaltet Risiken. Das gilt auch für Schilddrüsenoperationen. Allgemeinen Risiken (z.B. Wundheilungsstörungen, Blutergüssen, Infektionen, allergische Reaktionen, Lagerungsschäden, Lungenentzündungen, Thrombosen, etc...) sind selten. Die OP-Sterblichkeit geht gegen Null.

Typische Komplikationen einer Schilddrüsenoperation sind:

Verletzung der Stimmbandnerven.
Die Stimmbandnerven verlaufen auf der Rückseite der Schilddrüsenlappen. Wegen Ihrer Nähe zur Schilddrüse sind sie bei einer Schilddrüsenoperation besonders gefährdet. Sie können durch Schwellung, Blutergüsse, Zerrung, Erhitzung oder Druck gereizt oder verletzt werden. Das kann zu einer temporären oder dauerhaften Stimmbandlähmung führen. Falls die Stimmbandfunktion nach einer Operation gestört ist, kommt es zu einer Veränderung der Stimmqualität (tiefer oder schwächer bis zu starker Heiserkeit). In den meisten Fällen handelt es sich um eine vorübergehende Beeinträchtigung der Stimme (1-3 Monate). Zu einer vorübergehenden Lähmung der Stimmbandnerven kommt es in etwa 3 – 6 %, zu einer dauerhaften Lähmung in 0,2 –1 %. Wiederholungs- und Krebsoperationen oder Eingriffe bei sehr großen Strumen gehen im Allgemeinen mit einer höheren Gefährdung einher. In sehr seltenen Fällen kann es bei einer beidseitigen Stimmbandlähmung zu akuter Luftnot kommen, wodurch üblicherweise eine erneute Intubation und/oder eine Revisionsoperation zur Erweiterung des Kehlkopfes notwendig werden könnten.

Verletzung/Entfernung der Nebenschilddrüsen.
Die Nebenschilddrüsen bestehen aus vier linsen- bis erbsengroßen Organen, die sich unmittelbar hinter der Schilddrüse befinden. Genau wie die Schilddrüse produzieren sie Hormone. Mit ihrem Hormon, dem sogenannten Parathormon (PTH), steuern sie den Kalziumstoffwechsel. Fehlt das Hormon aufgrund von postoperativen Durchblutungsstörungen oder akzidenteller Entfernung der Nebenschilddrüsen während der Operation, kann kurz nach der Operation ein Kribbeln an Händen und Füßen auftreten, unbehandelt kommen Muskelkrämpfe hinzu. In etwa 7% der Patienten tritt diese Komplikation vorübergehend auf, und bei etwa 0.2% dauerhaft. Auch hier gehen Wiederholungs- und Krebsoperationen oder Eingriffe bei sehr großen Strumen im Allgemeinen mit einer höheren Gefährdung einher. Die beschriebenen Beschwerden können mit Kalziumtabletten und Vitamin D-Präparaten behandelt werden.

Blutung:
Die Schilddrüse ist ein sehr gut durchblutetes Organ. Nachblutungen, wenn auch selten (<1%), treten meistens innerhalb der ersten 24-48 Stunden auf. In diesem Fall kann ein erneuter Eingriff zur Blutstillung notwendig werden.

Wie groß ist bei einer Schilddrüsenoperation die Gefahr für die Stimme?

Eine Beweglichkeitsstörung eines oder beider Stimmbänder durch die Verletzung der Stimmbandnerven (Recurrensparese) gehört zu den schwerwiegenden Komplikationen nach einer Schilddrüsenoperation und tritt bei etwa 3 – 6% vorübergehend, bei etwa 0,2 –1 % dauerhaft auf.

Was kann unternommen werden, wenn es zu einer Schädigung der Stimmbandnerven gekommen ist?

Nicht jede Heiserkeit nach der Operation bedeutet eine dauerhafte Stimmbandlähmung. Häufig gehen diese Beschwerden nach einer gewissen Zeit zurück. Als HNO-Ärzte, können wir die Stimmbandfunktion sowohl vor der Operation als auch während der postoperativen Kontrolle genau überprüfen (Laryngoskopie).
Sollte einen Stimmbandstillstand diagnostiziert werden, kann durch eine frühzeitige Stimmübungstherapie beim Logopäden (Sprachtherapeut) eine verbesserte Stimmqualität erreicht werden. Bei einer dauerhaften Stimmbandlähmung und unzureichender Stimmqualität trotz Logopädie, kann in unserem Kopf-Halszentrum, eine endoskopische Stimmlippenaugmentation durchgeführt werden. Hierbei wird durch Injektion einer Substanz ein Volumenaufbau der Stimmlippe bewirkt und ein insuffizienter Glottisschluss korrigiert und somit die Stimme gekräftigt.

Endoskopische Stimmlippenaugmentation
Endoskopische Stimmlippenaugmentation
Muss ich nach einer Schilddrüsenoperation Schilddrüsenhormone einnehmen?

Ob und wie viel künstliches Schilddrüsenhormon nach einer Operation eingenommen werden müssen, hängt von der Menge des Restschilddrüsengewebes ab. Wenn ein Großteil oder die komplette Schilddrüse entfernt wurde, müssen die fehlenden lebenswichtigen Hormone mit künstlichen Schilddrüsenhormonen ersetzt werden. Diese werden in Tablettenform täglich nüchtern eingenommen und in der Regel sehr gut vertragen. Allerdings muss die richtige Dosierung regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf angepasst werden. In den meisten Fällen ist die Tabletteneinnahme lebenslang erforderlich.

Welche Nebenwirkungen haben künstliche Schilddrüsenhormone?

Das künstliche Schilddrüsenhormon Thyroxin ist mit dem in der Schilddrüse produzierten Hormon chemisch völlig identisch. Deshalb werden künstliche Schilddrüsenhormonen in der Regel sehr gut vertragen, ohne jegliche Nebenwirkung. Treten Beschwerden auf, sind diese meistens durch eine noch nicht optimale Dosierung der Hormone bedingt. Dies lässt sich mit einer Hormonbestimmung im Blut rasch feststellen und regulieren.

Wie wird Schilddrüsenkrebs behandelt?

Schilddrüsenkrebs, auch als Schilddrüsenkarzinom bezeichnet, ist ein bösartiger Tumor der Schilddrüse. Es ist das häufigste Malignom des endokrinen (hormonellen) Systems, jedoch mit einem Anteil von ca. 1% an allen bösartigen Geschwülsten insgesamt sehr selten. Der Großteil aller Schilddrüsenkarzinome lässt sich einem der folgenden vier Typen zuordnen. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Behandlungsform und Prognose:

  • Differenzierte Schilddrüsenkarzinomen:

    • papilläres Schilddrüsenkarzinom: in etwa 50-80%
    • follikuläres Schilddrüsenkarzinom: in etwa 20-40%

  • medulläres Schilddrüsenkarzinom (C-Zell-Karzinom, MTC): in etwa 4-10%
  • anaplastisches Schilddrüsenkarzinom (undifferenziertes Schilddrüsenkarzinom): 1-2%
  • Extrem selten kommen sogenannte Sarkome, Lymphome und Metastasen der Schilddrüse vor.

Während die differenzierten Schilddrüsenkarzinome eine sehr gute Prognose mit 10-Jahres-Überlebensraten von über 90% haben, gehört das anaplastische Karzinom zu den aggressivsten bösartigen Tumoren.

Bei gesicherter oder wahrscheinlicher Diagnose eines Schilddrüsenkarzinoms ist die chirurgische Therapie in Form einer totalen Organentfernung (Thyreoidektomie) mit Lymphknotenentfernung die Therapie der Wahl. Neben der Entfernung des Primärtumors erlaubt die Operation eine genaue histologische Diagnose und Stadieneinteilung. Auch der Lymphknotenbefall kann während der Operation beurteilt und die betroffenen Lymphknoten entfernt werden. Bei den follikulären und papillären Schilddrüsenkarzinomen erfolgt im Anschluss an die Operation nach 4-6 Wochen eine Radiojodtherapie. Ziel dieser Behandlung ist die selektive Zerstörung verbleibender Schilddrüsen(tumor)zellen sowie ggf. vorhandener Metastasen. Eine Ausnahme stellt das papilläre Mikrokarzinom dar (<1cm), bei dem wegen der sehr günstigen Prognose auf eine Radiojodtherapie verzichtet werden kann, sofern der Tumor komplett chirurgisch entfernt wurde.

Was ist eine Radiojodtherapie?

Bei der Radiojodtherapie wird den Patienten eine winzige Menge von radioaktivem Jod in Tablettenform verabreicht. Das radioaktive Jod wird im Körper nur von “aktiven” Schilddrüsenzellen (die Schilddrüsenhormone produzieren) aufgenommen. Dort angekommen, gibt das radioaktive Jod Beta-Strahlen ab, welche den Schilddrüsenzellen Schäden und letztlich das Schilddrüsengewebe zerstören. 

Radiojodtherapie oder Schilddrüsenoperation?

Ob eine Radiojodtherapie oder besser eine Operation in Frage kommt, ist in jedem individuellen Fall gemeinsam mit dem Patienten zu entscheiden. Der größte Vorteil einer Radiojodtherapie, besteht darin, dass eine Operation und eine Narkose vermieden werden kann. Eine Schädigung des Stimmbandnervs (Nervus recurrens) oder der Nebenschilddrüsen ist durch die Radiojodtherapie nicht zu befürchten. So bietet die Radiojodtherapie gute Behandlungsaussichten bei Rückfällen, höherem Patientenalter oder bei Begleiterkrankungen, die mit einem höheren Operationsrisiko einhergehen. Ein entscheidender Nachteil einer Radiojodtherapie, ist jedoch, dass radioaktives Jod nur von “aktiven” Schilddrüsenzellen aufgenommen wird. Die sogenannte „kalte Knoten“ oder Schilddrüsenzysten werden durch eine Radiojodtherapie nicht zerstört. Des Weiteren wirkt die Radiojodtherapie im Gegensatz zur Schilddrüsenoperation nicht schlagartig, sondern es dauert etwa drei Monate, bis die Wirkung allmählich eintritt.

Die wichtigsten Vorteile einer Schilddrüsenoperation sind:

  • Die Operation ist die einzige Behandlung, bei der sich der gewünschte Effekt (z.B. Knotenentfernung, Größenreduktion, Beseitigung der Hormonproduktion) unmittelbar einstellt.
  • Bei der Schilddrüsenoperation können alle krankhaften Veränderungen (z.B. heiße und kalte Knoten) gleichzeitig behandelt werden.
  • Bei der Operation ist eine individuelle und befundorientierte Behandlung möglich: von der sparsamen Teilentfernung eines Lappens bis zur kompletten Entfernung der Schilddrüse.
  • Nur die mikroskopische Feingewebeuntersuchung des entnommenen Schilddrüsengewebes lässt Gut- und Bösartigkeit zweifelsfrei unterscheiden.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Informationen schon vorab die wichtigsten Fragen beantworten konnten. Falls Sie noch weitere Fragen haben, dürfen Sie uns gerne kontaktieren. Unser freundliches und kompetentes Team wird sich um Sie kümmern.

Dr. Valerie Picavet und Prof. Dr. med. Eckard Gehrking

Dr. Valerie Picavet

  • Chirurgie der Schilddrüse
  • Chirurgische Therapie bei Kindern
  • Chirurgie der Kopfspeicheldrüsen
  • Funktionell-ästhetische Chirurgie der Nase
  • Plastisch-ästhetische Gesichtschirurgie

Prof. Dr. med. Eckard Gehrking

  • Spezielle HNO-Chirurgie
  • Plastische Operationen (6 Monate Weiterbildungsbefugnis) 
  • Allergologie
  • Medikamentöse Tumortherapie
  • Arzt im Rettungsdienst/Notfallmedizin
HNO-Ärzte
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